Hallo zusammen,
gibt es hiernoch Leser, nachdem sich hier über zwei Jahre nichts getan hat? Keine Ahnung, ich schreib’ mal ins Blaue hinein.
Ein paar von Euch werden es wohl mitbekommen haben: die etwas sarkastisch gemeinte Überschrift von Ralph aus dem letzten Eintrag vom 1.7.09 ist leider fast Wirklichkeit geworden: Ralph ist am 11.5.2011 an einem Neuroendokrinen Tumor gestorben. “Fast” weil er keinen Grabstein braucht, sein Wunsch war eine Seebestattung an der Stelle der Nordsee an der auch sein Vater bestattet wurde.
Eines habe ich immerhin geschafft, seine Idee vom Tag unseres Einzuges ist wahr geworden: er konnte zu Hause sterben und wurde “mit den Füßen voran” wieder hinausgetragen. Der Stein steht übrigens immer noch da, wo er auf dem Bild des Eintrages vom 1.7.09 auch stand. Ich werde ihn irgendwann trotzdem in die Giebelwand einsetzen lassen. Es ist _unser_ Hof, _unser_ Traum… Jeder Kubikmeter von Stall und Wohnhaus atmet Ralph, in jedem Winkel sieht es aus, als wenn er nur einen Kaffee trinken gegangen wäre und gleich wiederkäme.
Kurz bevor er gegangen ist, ist dann auch die Baugenehmigung aus dem Post vom 28.4.09 abgelaufen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bei weitem anderes im Kopf, als diese Baugenehmigung zu verlängern. Und mit ein bischen Nachdenken habe ich dann auch die Entscheidung getroffen, daß sie für mich alleine eh’ Quatsch ist. Ich habe Platz satt seitdem ich sein Büro ausgeräumt und zum Wohnzimmer umfunktioniert habe. Einen Grund das Büro auf den Dachboden zu verlegen gibt es also nicht wirklich.
Nach fast 6 Monaten tiefster Trauer bin ich langsam in der Lage nach vorne zu blicken. Es war von vornherein klar, daß ich auch alleine hier bleiben würde. Es war ja nicht nur sein Traum, hier zu leben sondern es ist auch mein Traum gewesen. Schon als Mädel habe ich von einem Bauernhof geträumt. Diesen Traum jetzt aufgeben? Nein, ich werde weitermachen. Noch langsamer, als wie vorher zu Zweit schon waren, aber da kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an.
6 Monate war ich jetzt nicht in der Lage mir Gedanken darum zu machen, wie es en detail weitergehen soll. Den halb renovierten Raum hinten (der, der mal zeitweise unsere Küche war) konnte ich nicht betreten, ohne mich in Tränen aufzulösen: Ralph hatte darin einen kleinen Tisch aufgebaut mit seinen Modellbausachen: Farben, ein angefangener Flieger, der Versuch ein altes Modellboot wieder aufzupäppeln, alles stand auf diesem Tisch herum. Wegschmeissen kann ich es nach wie vor nicht, aber heute habe ich es geschafft, das wegzuräumen. Der angefangene Flieger, eine Piper Super Cub in filigranster Bauweise, steht jetzt auf einem Wohnzimmerregal. Der Raum ist jetzt leer, ich kann ihn fertig machen. Liest sich simpel, ist aber noch ein Stapel Arbeit:
- Elektrik erstmal blicken und dann endgültig verlegen,
- Löcher von den Lagerbalken der abgehängten Decke verputzen,
- Ritze im Mauerwerk verfugen und anschließend verputzen,
- alle Fensterstürze verputzen,
- versottete Stellen am Kamin abschlagen, versottete Steine mit Schellack bepinseln, alles neu verputzen,
- alten Dielenboden rausnehmen und entscheiden ob er noch verwendet wird,
- Lagerbalken herausnehmen und evtl. ersetzen,
- Doppel-T-Träger unter den Lagerbalken abflexen und neu anschweissen (siehe unter “Handwerkliches”, “Ein neuer Fußboden”). Hier werde ich Hilfe von einem Freund in Anspruch nehmen müssen: Schweissen kann ich nicht,
- Blindboden und Wärmedämmung einziehen, neuen (oder alten?) Dielenboden legen
- Wände und Decke streichen,
- Raum einrichten.
Ist ‘ne ganz schöne Liste, oder? Was ich im Geiste schon gestrichen habe, ist die Außenlampe, die wir an der nordwestlichen Ecke als Beleuchtung für den Garten anbringen wollten. Soo wichtig finde ich die für mich alleine nicht.
Aus dem Raum wird dann vermutlich meine Bibliothek: im Moment stapeln sich die Bücher von uns beiden in 3 Räumen, teilweise stehen sie 2-reihig in den Regalen. Und es werden ständig mehr, ich bin ja ein ziemlicher Büchernarr und konnte mich auch von Ralphs Büchern nicht trennen. Ein gemütlicher Sessel zu den Bücherregalen, ein kleiner Tisch, fertig. Na, bis dahin wird der gesamte Winter noch ins Land gehen… Mindestens.
Demnächst also mehr. Ich muß Euch auch noch die Küche zeigen, die jetzt endgültig steht und die wir zusammen so gerade noch fertig bekommen haben, bevor gar nichts mehr ging…
Aber ich habe den Mut mal wieder nach vorne zu sehen, Pläne zu schmieden, etwas anzupacken und weiterzumachen. Wenn auch mit tiefen Seufzern und Tränen in den Augen.
Liebe Grüße an alle, die noch oder wieder hier lesen
Moni













